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Andalusien 2003

Studienreise der Klasse 3c nach Andalusien (11.-20. Juni 2003)

Nach einer nicht enden wollenden Serie von Umsteigevorgängen und Transportmitteln landeten wir schliesslich in der Jugendherberge von Málaga, wo wir unsere erste Nacht auf andalusischem Boden verbrachten. Die Jugendherbergen überraschten uns auf angenehme Art und Weise, wir merkten, dass der Ruf von Schmuddeligkeit überhaupt nicht der Realität entspricht. Von Málaga bekamen wir, ausser dem Strand, nicht sehr viel mit, dieser aber begeisterte schon einige von uns.

Donnerstag, 12. Juni
Auch in Bezug auf die spanischen Überlandbusse mussten wir einige Vorurteile korrigieren. Die Fahrt nach Granada war nicht nur sehr günstig, sondern ganz angenehm. So ging es uns übrigens bei allen Transfers.
In Granada angekommen, ging das eigentliche kulturelle Programm erst richtig los. Mit unserer Stadtführerin besuchten wir die Kathedrale (ein interessantes Beispiel des architektonischen Übergangs von der Gothik in die Renaissance) sowie die Gräber der Katholischen Könige Fernando de Aragón und Isabel la Católica in der Capilla Real, eins der Schmuckstücke gotischer Architektur in Spanien. Die Altstadt, hier Alcaicería genannt, war unsere erste Begegnung mit der orientalischen Architektur.
Nach dieser Ladung Kultur drängte sich natürlich etwas Abwechslung in den Einkaufsstrassen der Stadt auf....

Freitag, 13. Juni
Am Freitag besuchten wir die vielgepriesene Alhambra, was soviel wie “rote Burg” bedeutet. Sie gilt als das schönste und besterhaltenste Schloss der arabischen Welt. Über zwei kilometer Schutzmauer umgeben die unregelmässig angelegte Burganlage, die sich zwischen den Hügeln und Tälern Granadas ausdehnt.
Nach einem kleinen Vortrag über Flamenco mit anschliessender Tanzeinlage im Park, das die Alhambra umgibt, trafen wir unsere Führerin, die uns sehr ans Herz gewachsen war. Als wir uns mit genügend Wasser eingedeckt hatten (es war seeehr heiss), ging es los.
Die Gärten des Generalife, in dem sich auch Überreste ehemaliger Paläste befinden, sind von einer seltenen Schönheit. Überall grünt und blüht es, Springbrunnen ist an Springbrunnen gereiht. Als wir uns satt gesehen hatten, gingen wir in den Palast.
An den Wänden und Decken der Gebäude befinden sich neben angemalten Keramikkacheln auch viele Ornamente mit kalligraphischen, geometrischen und tierischen motiven, menschliche Darstellungen sind ja nach dem Koran verboten. Die verschiedenen Patios und die königlichen Gemächer beeindruckten uns ausserordentlich. Von den Aussichtstürmen hatten wir ausserdem einen tollen Blick auf Granada.
Wir genossen den Besuch sehr! Doch nach ca. zwei Stunden aufmerksamen Zuhörens waren wir erschöpft und von den vielen Ornamenten war uns leicht schwindlig J
Als wir schliesslich einen Gärtner erblickten, der die Beete wässerte, konnten wir nicht widerstehen und sprangen vor den Schlauch und auch gleich in den nächsten Brunnen. Die Aussicht auf ein Menü beim Burger King lockte uns dann endgültig von der Alhambra fort.
Das fakultative Nachmittagsprogramm litt etwas unter den Verdauungsstörungen der Jugendlichen. Doch die tapfersten wurden für ihr Mehraufwand belohnt: Die Kartause ist klein, ruhig, und war fast menschenleer, und ihre Kirche stellt die Apotheose des spanischen Barrocks dar. Für Kunsthistoriker und Liebhaber ein absolutes Muss!

Samstag, 14. Juni
Nach dem tollen Abendessen beim Mirador de San Nicolás (ein Aussichtspunkt am Rande der Stadt), fiel es und schwer, nach Córdoba weiterzuziehen. Über die Ruta del vino y del aceite (der Name zeigt an, was sich unseren Augen anbot) kamen wir nach etwa anderthalb Stunden in unserem gemütlichen Überlandbus zur alten Hauptstadt von Al-Andalus an den Ufern des Guadalquivir. Mit unserer neuen, sehr energischen Führerin bummelten wir durch die Altstadt, besuchten die Synagoge sowie die königlichen Bäder (eine etwas zu modern geratene archäologische Stätte). Anschliessend gingen wir in den Alcázar, dem Königspalast, in welchem Kolumbus erstmals versuchte, die Katholischen Könige von der runden Gestalt der Erde zu überzeugen. Ehrlich gesagt beeindruckte uns der Alcázar nicht besonders, höchstens die Gärten, wahrscheinlich hatten wir die imposante Alhambra noch zu gegenwärtig.

Sonntag, 15. Juni
Zwei grosse Brocken warteten auf uns. Am Morgen fuhren wir mit einer organisierten Führung 10-20 km westlich von Córdoba nach Medina Azahara. Dort befinden sich die Ruinen einer maurischen Königsstadt. Offenbar wurde diese Siedlung ursprünglich von Abderramán III für seine Geliebte gebaut, wurde aber schliesslich der Sitz des Kalifen und der Obersten Zehntausend, die religiösen und weltlichen Anführer, damit sie sich abseits vom “Pöbel” halten konnten und so auch sicherer vor Anschlägen waren. Die Anlage der Stadt ist sehr interessant, sie wurde in drei Stufen gebaut, die die Machtverhältnisse in der Stadt wiederspiegeln sollten. Auf der obersten Terrasse stand der Alcázar, darunter die Wohnungen der wichtigen Würdenträger und zuunterst (grossteils noch gar nicht ausgegraben) befand sich die Medina, in der das wenige Fußvolk wohnte, das es brauchte, um die Stadt mit Nahrung und Schutz zu versehen.
Der Besuch bestand aus einem angenehmen Spaziergang zwischen Orangenbäumen, Zypressen, Palmen und anderen Pflanzen, die mit den zum Teil sehr schön verzierten Überresten der Gebäude ein schönes Ensemble bilden.
Selbstverständlich besuchten wir auch die Mezquita/Catedral, die ehemalige Moschee. Mit 23000 m2 ist dieses Bauwerk aus dem 8. Jahrhundert n.Chr. die drittgrösste Moschee der Welt. Zudem ist sie die einzige, welche in Spanien von der Zerstörungswut christlicher Reconquistakrieger verschont blieb. Im Jahre 1236, als Córdoba von der Christen zurückerobert wurde, weihte man die Mezquita zur christlichen Kathedrale, aber man ging noch weiter. Im Jahre 1523 wurden auch Teile des Gebetssaals herausgerissen, um in der Mitte der Moschee Platz für eine Kathedrale zu schaffen. Der sich daraus ergebende Eindruck für die Besucherin ist höchst frappant: zuerst kommen wir in den berühmten Säulenwald, der in jedem Buch, der sich damit befasst, abgebildet ist. Danach gelangt man in die erste Erweiterung der Moschee, die eine andere Säulenarchitektur aufweist. Plötzlich stehen wir in der Mitte der Moschee, und das Dach schiesst in die Höhe: wir befinden uns in einer christlichen Kirche. Wenn wir weiter und aus der Kirche “hinaus” laufen, gelangen wir in die, wiederum anders gestaltete, zweite Erweiterung der Moschee mit dem prächtig verzierten Mihrab (das innerste Heiligtum der Moschee). Toll!

Montag, 16. Juni
Spanische Züge mögen im Allgemeinen eine Katastrophe sein, der AVE ist es ganz bestimmt nicht. Komfortable Sitze, leise, rucklose Fahrt und in null Komma nichts ohne Verspätung von Córdoba im Sevilla Santa Justa-Bahnhof.
Die Vorfreude auf das Museo Taurino und die Arena war riesig. Die ganze Reise über haben wir uns auf diesen Besuch gefreut, zuvor wurden wir auch noch von zwei Fachkundigen unserer Klasse in dieses Thema eingeführt. Leider hetzte man uns auf der teuren, organisierten Führung durch die Anlage, und schon bald standen wir wieder auf der Strasse. Trotzdem ging das Ganze nicht spurlos an uns vorbei: Stierköpfe, die Krankenstation, die Kapelle und die Arena selbst beeindruckten uns sehr.
Das Abendprogramm war improvisiert, dafür umso toller. Kurzerhand beschlossen wir, einen Teil unseres selbsterarbeiteten Budgets in Eintritte für ein Tablao Flamenco zu investieren. Wäre auch eine Schande gewesen, in der Wiege dieser Kunst gewesen zu sein, ohne einen heimischen Auftritt gesehen zu haben (auch wenn das Ganze ziemlich nach Tourifalle roch). Was soll’s? Wir bekamen die besten Plätze, und sahen echt tolle Auftritte. Für manche ein wohl unvergessliches Erlebnis...

Dienstag, 17. Juni
Die Kathedrale und die Giralda (so heisst der Glockenturm, von dem aus der Muhezin, als es noch eine Moschee war, die Gläubiger zum Gebet aufrief) waren die Hauptattraktionen unseres zweiten Tages in Sevilla. Auch in diesem Fall wurde die Moschee von den Christen “umgenutzt”, diesmal leider nur die Fundamente. Die jedoch waren so gut, dass man darauf die drittgrösste Kathedrale der Welt bauen konnte. Und wahrlich, es gibt einige interessante Sachen in dieser Kathedrale zu sehen, zum Beispiel das Grab (oder vielmehr Sarkophag) des Kolumbus, die riesige Monstranz aus hunderten von Kilo Gold. In der Monstranz wird an Fronleicham die nach katholischem Ritus in Leib Christi umgewandelte Hostie durch die Stadt getragen / gefahren und so den Gläubigen gezeigt. Ebenso die riesigen Altarbilder und die vielen abgetrennten Säle. Irgendwann wurde es zuviel, und wir stiegen auf die Giralda (der Name bezieht sich übrigens auf den Dachreiter, der sich mit dem Wind dreht [=girar]), von der aus wir die Stadt, den Guadalquivir und die modernen Brücken, die darüber geschlagen wurden, bestens überschauen konnten.
Am Nachmittag schauten wir uns ein paar kleinere Sachen an, so die Casa de Pilatos, ein Palast einer hohen spanischen Adelsfamilie aus dem XV Jahrhundert (also am Ende der maurischen Präsenz auf der Halbinsel). Beeindruckend daran war (neben dem ganzen Prunk), die Mischung aus maurischem und Renaissance-Baustil, die zum Teil auf engstem Raum ineinander übergehen. Wir bekamen auch während einer Stunde von unserer gewieften Führerin die schwedische Staatsbürgerschaft, um unser Budget an der Eintrittskasse nicht unnötig zu strapazieren J.

Mittwoch, 18. Juni
Lange lief unser Ausflug nach Sanlúcar de Barrameda Gefahr, ins Wasser zu fallen. Die ursprünglich arrangierte Fahrt auf dem Boot auf dem Guadalquivir wurde uns kurzfristig abgesagt. Aber es kam doch alles gut. Wir wurden in einem eigenen Bus nach Sanlúcar chauffiert und warfen uns (mit ganz wenigen Ausnahmen) zuerst einmal auf den Strand oder ins Wasser. Sanlúcar befindet sich an der gaditanischen Küste, und man sagt, dass Kolumbus von diesen Gefilden gestartet ist, um eine neue Etappe im Kampf gegen das Böse einzuläuten... Doch wir hatten ganz andere Absichten: baden... und uns auf einer Kreuzfahrt den Nationalpark Doñana anschauen. Auf dem Schiff erhielten wir zuerst ein paar Informationen, danach wurden wir mit Begleitung durch Teile des Parks geführt. Die ganze Führung war (wie übrigens auf der ganzen Reise) auf Spanisch, und wir wurden richtig gefordert. Tiere haben wir leider nicht so viele gesehen, dafür eine angenehme Schifffahrt mit einer entsprechend schönen Umgebung.

Donnerstag, 19. Juni
Unsere Reise neigte sich langsam dem Ende zu. Die unverwüstlichen unter uns packten an diesem Morgen noch die Gelegenheit, sich die Prozessionen in der Stadt mitanzusehen (es war ja Fronleichnam). Leider mussten wir etwas früh auf den Bus, es reichte nicht für alles, aber was wir zu sehen bekamen -die Bruderschaften in ihren Kostümen, mit Kreuzen, Kerzenständern und einer Vielzahl religiöser Insignien in einer nie endenden Kolonne- war doch sehr ungewöhnlich und interessant.
Am späten Morgen fuhren wir wieder nach Málaga und konnten am Nachmittag nochmals den Strand geniessen oder in die Stadt gehen. Um das Ganze abzurunden, nahmen wir das letzte Nachtessen im gleichen Restaurant wie das erste ein, und damit kommen wir noch kurz zum kulinarischen Aspekt unserer Reise.
Wie alles andere, war auch das Essen auf unserer Studienreise eine interessante Angelegenheit. Zum Frühstück gab es in der Jugendherberge fast immer dasselbe: Weissbrot mit Butter und Marmelade, dazu –zugegebenermassen etwas wässrigen- Kaffee oder Schokolade und ein Glas Orangensaft: ein einfaches, aber nahrhaftes Essen, das allerdings nicht bei allen auf Begeisterung stiess. Mittags verpflegten wir uns meist in kleinen Gruppen, so konnte jeder individuell entscheiden, ob er sich in einem supermercado ein Picknick, bestehend aus unbekannten spanischen Käse-, Fleisch- etc. produkten kaufte oder lieber in das bekannte und bewährte McDonald’s gehen wollte. J
Abends kam es zum kulinarischen Höhepunkt des Tages. Wir gingen geschlossen als Klasse in eine Restaurant und liessen es uns schmecken. Es war witzig und interessant, auf spanisch zu bestellen. Bacalao, Albóndigas, Gambas, Solomillo, Caldo, Jabuta (gäll, Yasmin?) hiessen einige rätselhafte Gerichte. Das Essen in Andalusien ist im Gegensatz zu unserem sehr fettig, da die Spanier es scheinbar lieben, möglichst alles zu fritieren. Natürlich assen wir auch Spezialitäten wie Fisch, Meeresfrüchte usw., aber wenn wir Lust auf etwas “ganz normales” hatten, bestellten wir zwischendurch einfach eine Pizza. Das Essen war eine überaus lustige Angelegenheit, zum Beispiel wenn man die übersetzten Karten für Touristen anschaute (in einem Restaurant bestellten wir einen Teller “Pomms Fritz”).
Wir assen nicht nur richtige spanische Gerichte, sondern auch zu spanischen Zeiten, das heisst Mitttagessen so um 1500 Uhr und Nachtessen gegen 2200 Uhr. Es waren also nicht nur die imposanten Bauwerke, die uns etwas über Andalusien erzählt haben, sondern auch das Essen. Und wenn Sie schon ‘mal dort sind, dann lassen Sie sich den Gazpacho Andaluz nicht entgehen...

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