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Studienreise Rom 2009

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Erfreulich verlief die Studienreise der SPF-Latein-Klasse 4AB nach Rom: Was sich bereits in den Wochen davor in den vielen Fragen und der gespannten Erwartungshaltung andeutete, erfüllte sich in den Tagen vom 19. bis 26. September 2009.
Nachstehend ein Übersichtsbericht, der dem vorgegebenen Kultur-Programm folgt. Von den unzähligen lustigen Szenen und überraschenden Erlebnissen abseits davon erzählen die Teilnehmenden gerne die Details persönlich - oder zeigen ihre Fotos.

Ausnahmslos alle Schülerinnen und Schüler fanden sich am Samstag pünktlich um 20 Uhr 30 in der Basler Bahnhofshalle ein, um kurz nach 21 Uhr die Reise nach Rom anzutreten. Mit knapp zweistündiger Verspätung traf der Zug am Sonntag-Morgen kurz vor 11 Uhr in Roma Termini ein. Ausgerüstet mit den eben erworbenen Metro-/Bus-Biglietti machte sich die Gruppe auf den Weg ins Hotel, das mit Metro und zehn Minuten Fussweg erreicht wurde und gleichzeitig einen ersten Eindruck von Rom hinterliess. Gross war die Spannung, wie denn das von Nonnen geführte Hotel aussehen würde und ob sich die übersteigerten Gerüchte bestätigen würden. Aber weit gefehlt, das Garni-Hotel und seine Belegschaft waren innert kürzester Zeit bei den Schülern akzeptiert – es unterschied sich auch kaum von anderen Hotels.
Gemäss Programm war ein erster Besuch des antiken Stadt-Teils von Rom vorgesehen: Das Kapitol und anschliessend die berühmten Bauten auf dem Marsfeld. Was war das für ein ungewohnter Anblick, als kurz vor dem Kolosseum der Bus eine andere Richtung einschlug und man die Piazza Venezia infolge des Sonntag-Fahrverbots auf der Via dei fiori imperiale mit dem ganzen Besucherstrom nur auf dem Fussweg erreichte! Auf dem Kapitol, dem kleinsten der sieben klassischen Hügel Roms, erklärten uns Jonas und Martin, dass in frühester Zeit hier die ersten Gebäude (die Arx und die beiden wichtigsten Tempel, der des Jupiter Optimus Maximus Capitolinus und der Juno Moneta) errichtet wurden. Die beiden erläuterten die Gesamtanlage, die ja im Laufe der Jahrhunderte ständig umgebaut und -funktioniert wurde. Nach einer kleinen Essenspause begab man sich zum Marsfeld, wo zunächst Ilaria neben der Marc Aurel-Säule zu Herkunft und Funktion dieses Gebietes referierte. Auf dem Weg zum nördlichst gelegenen Monument des Marsfeldes, der berühmten Ara Pacis, deren Gesamtanlage und kunstvolle, aussagekräftigen Friese die alten Römer von der Bedeutung ihres Erbauers und Kaisers Augustus überzeugen sollten, haben wir das Pantheon (mit Nyimas architektonischen und religionskundigen Erklärungen), das zur Piazza Navona verwandelte Stadion des Domitian und das von Johanna ausführlich vorgestellte, bereits in jungen Jahren von Augustus persönlich mit grossem Selbstbewusstsein erbaute Mausoleum, besucht.
 

Am Montag dann als erstes das Zentrum gesellschaftlicher und politischer Repräsentation des Imperium Romanum: Das Forum Romanum. Eingelesen über die historischen und baulichen Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte haben Julius und Andreas uns zu den wichtigsten Gebäuden und Bauwerken geführt – erfreulicherweise war sogar ein Besuch in der Curia möglich. Von der Talsenke ging’s hinauf zum vornehmsten Hügel, zum Palatin, dessen Besiedlung bis ins 10. Jahrhundert v. Chr. zurückreicht und voll in die römische Ursprungssage integriert ist. Rémi und Maurice nahmen diese Angabe als Ausgangspunkt für ihr Referat, in welchem sie besonders auf die riesigen Bauten (Hippodrom des Domitian!) und die Wohn-Paläste der Angehörigen der Kaiserfamilie (u.a. Haus der Livia mit den komfortablen Einrichtungen, das Haus des Romulus, die Domus Flavia und etwas ausführlicher die Domus Augustana, wo dann interessierte, in welchem Zimmer Augustus geschlafen habe). Die Mittagszeit war eigentlich schon vorbei, als einige von uns sich in den farnesischen Gärten niederliessen und unser Picknick einnahmen. Glücklicherweise spielte das Wetter für eine knappe Stunde mit; in den ersten drei Tagen der Studienreise regnete es leider öfters. Zum Schluss des geführten Tages-Programms stand der Besuch des Kolosseums an. Maurice und Benjamin erklärten in klarer und einleuchtender Weise zuerst ausserhalb, anschliessend innerhalb die genialen, komplexen architektonischen Raffinessen, die wir nicht selten eins zu eins in heutigen Sportstadien wieder antreffen. Abscheulich nur, zu welch entsetzlichen Zwecken diese dienten! Kaum ein Besucher, der aber beispielsweise nicht beeindruckt ist von der Idee und der technischen Ausführung der das Stadion umspannenden Velaria, des Sonnensegels. Die Erklärungen der beiden Vortragenden haben die Funktion und die verschiedensten Stürme um das Theatrum Flavium bis zum heutigen Zustand vergegenwärtigt, so dass das Bauwerk kritisch und in seiner historischen Vielfalt beurteilt werden kann.
Der Tag fand einen schönen Abschluss bei einem Besuch der Fontana Trevi und einem gemeinsamen Nachtessen.
 

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Ein aussergewöhnlicher Besuch stand am Dienstag-Morgen um neun Uhr an: Ein Schweizer Gardist empfing uns im Garde-Quartier und berichtete aus der Geschichte und vom Alltag dieses Armeekorps, das für die Sicherheit des Papstes und die Bewachung der Zugänge zur Vatikanstadt und des apostolischen Palastes verantwortlich ist. Es war anregend, wie der Gardist auf vielfältige, auch persönliche Fragen offen Antworten gab und somit bei einigen einen tiefen, möglicherweise bleibenden Eindruck hinterliess. Nicht weniger eindrucksvoll, dafür aber von Tausenden von Touristen miterlebt, war die immense Sammlung an Objekten und Bildern in den Vatikanischen Museen. Oft nur mit Mühe konnten die bereits in der Vorbereitung betrachteten Skulpturen, Bilder oder andere Objekte (u.a. die Laokoon-Statue, verschiedene Fresken und Gemälde in den Stanzen Raffaels oder in der Sixtinischen Kapelle) gefunden werden; Touristenströme und die Weitläufigkeit des Museums (knapp 400 Räume!) erschwerten dies beträchtlich. Vermutlich konnten aber alle vielleicht nur zwei oder drei Objekte entdecken, die persönlich gefielen oder ansprachen. Von den ersten Besiedlungen bis zur heutigen Entwicklung des Vatikans hat Thérèse übersichtlich referiert; Dominique, Jaicy und Marlene wiesen auf die Eigenschaften vieler architektonischer und künstlerischer Gegebenheiten des Petersdoms hin, so dass die berühmteste Kirche der Christenheit auch in diesem Sinne besser verstanden werden konnte. Abschluss des Vatikan-Programmes bildete das Besteigen der 138 Meter hohen, von Michelangelo erbauten Kuppel. Umwerfend, welche Aussicht man da über die riesige, einst nur aus Hütten bestehende ewige Stadt geniesst – und über welche Themen man in solcher Atmosphäre plötzlich spricht.

Abends war eine Führung durch Carl im von seinen Verwandten bewohnten Stadtviertel jenseits des Tibers Trastevere (= ‚trans Tiberim’) vorgesehen. Leider war das wegen des starken Regens erst nach dem Nachtessen möglich. Aber auch so konnte Carl zeigen, mit welch romantischen kleinen Plätzen, schmalen Gassen und altehrwürdigen Sakralbauten das Viertel lockt – und damit irgendwie den Charakter des antiken Rom bewahrt hat.
 

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Die grösste Distanz von Rom weg unternahmen wir am Mittwoch: Mit der Metro fuhren wir knapp 20 Kilometer nach Ostia, der Küstenstadt, die durch die wachsende Bedeutung der römischen Flotte und des Mittelmeerhandels zum wichtigsten Umschlagsplatz für die Versorgung des Caput Mundi wurde. Daphne und Déborah behandelten in ihrem Referat im alten Theater schön die Geschichte, und beim anschliessenden Durchgang durch die Ruinen war das Alltagsleben der Römer oft deutlicher wahrzunehmen als in der Hauptstadt selbst. Das zeigte sich beispielsweise da, wo Gebäude-Ruinen auf Take-aways hinweisen, wo noch Mühlsteine funktionstüchtig zu sehen sind oder wo man sich in Bädern oder in der Latrinenanstalt zu persönlichen oder beruflichen Belangen austauschte. Jeder und jede hat so seine eigenen archäologischen Beobachtungen gemacht. Der spätere Nachmittag war reserviert für Baden an einem einladenden Sandstrand in Lido di Ostia. Das Wetter hatte sich ja für die zweiten drei Tage rechtzeitig auf strahlend warme, ja sogar heisse Sonne geändert.

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Als wir am Donnerstag-Morgen loszogen, war der erste Programmpunkt eine christliche Kirche, die nur 500 Meter entfernt von unserem Hotel stand. San Giovanni in Laterano gehört neben Santa Maria Maggiore (am anderen Ende unserer Hotelstrasse, der Via Merulana), dem Petersdom und San Paolo fuori le Mura zu den vier Patriarchalkirchen. Sie sind direkt dem Papst unterstellt. Die Lateranskirche ist zudem die ranghöchste. Ihr Name leitet sich nicht, wie jemand nachgefragt hat, direkt vom lateinischen Wort ‚latus’ (Breite, Seite) her, sondern geht auf den römischen General Sextius Lateranus aus dem 2. Jh. n. Chr. zurück, der der Besitzer des Grundstücks war. Bekannt ist der Name heute auch durch die Lateran-Verträge von 1929, die das politische Verhältnis zwischen Rom und der Vatikanstadt neu regelten. Für unser Antike-Programm war neben der Taufkirche aus dem 4. Jahrhundert zweifellos bemerkenswert, dass die Bronzetüren des Hauptportals jene der Curia des Forum Romanum sind. Dort hängen heute Kopien. Das Innere der Kirche hat der Tessiner Architekt Francesco Borromini im 17. Jahrhundert in hochbarockem Stil ausgestaltet.
Nach einer knapp zwanzigminütigen Fahrt mit dem Bus Nummer 218 erreichten wir die Catacombe di San Callisto, wo wir zunächst in lauschiger Umgebung den hochinteressanten Vortrag von Antonin hörten. Er beinhaltete nicht nur die Geschichte der Katakomben, sondern auch spannende Ausführungen zur Symbolsprache der Christen. So war denn auch das vorausgehende Kurz-Referat der Katakomben-Führerin nichts Anderes als oberflächliches Gerede. Anschliessend an die unterirdische Führung durch einige Gänge machten wir uns auf den Weg zur nahegelegenen Via Appia. Raphael hat uns da vieles zu den Anfängen, der Bauweise und der Benutzung der 580 km langen Strasse nach Brindisi erklärt, die Gräber der Cecilia Metella oder anderer vornehmer Familien, die nicht innerhalb der Stadtmauern bestattet werden wollten, gezeigt und von der Flucht des Petrus vor dem Martyrium erzählt, den ein Wanderer hier die berühmt gewordenen Worte „Domine, quo vadis?“ fragte. Nach einer guten Stunde Wanderung auf der Via Appia kehrten wir im überfüllten Bus nach Rom zurück.
 

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Es blieb, nach einer vermeintlich kurzen Zeit, der letzte Tag in Rom. Die Überreste zweier gigantischen Bauten aus der antiken Zeit wollten an diesem Freitag noch besucht werden. Harprit brachte uns in einem launigen, ohne Zweifel sehr informativen Referat den Circus Maximus näher und konnte gar die Stimmung unter den 150'000 Zuschauern während eines Wagenrennens mit Vierergespannen lebensnah mit eigenen Worten schildern. Nicht vergessen hat er auch, den höchsten Obelisken in Rom, den wir am Vortag bei der Lateranskirche sahen, als eine ehemalige Wendemarke zu erwähnen. Der Weg zu den Caracalla-Thermen – im alten Rom eher Freizeitzentrum denn Bad – war nicht weit und Christoph und Thierry stellten uns in der warmen Mittagssonne diese in der römischen Gesellschaft fest verankerte Einrichtung vor. Sie beschrieben den allgemeinen Badebetrieb, die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten oder die architektonisch ausgeklügelt konstruierten Systeme, die es erst ermöglichten, all die Bedürfnisse auf der 33'000 Quadratmeter grossen Fläche zu erfüllen – einzigartig das unterirdische Umluftsystem, das Hunderte von Sklaven in Gang hielten.
Das vorgegebene Programm der Studienwoche war damit abgeschlossen. Es blieb das Angebot, nach einer Mittagspause die Kirche San Clemente zu besuchen, deren Gebäudeursprünge bis ins Urchristentum zurückgehen. In einem Wohnhaus der Antike, weit unter dem heutigen Strassenniveau, befand sich im 2. Jh. ein Mithrasheiligtum, über dem 385 eine dem heiligen Clemens geweihte, frühchristliche Kirche entstand. In den Stürmen der Völkerwanderung wurde sie von den Normannen 1084 zerstört und etwa hundert Jahre später begann man mit dem Bau einer Basilika, die heute noch das Hauptgebäude bildet. Antike Statuen bilden den Innenraum, und von auffallender Schönheit ist das herrliche Mosaik in der Apsis. Die fein gegliederte Darstellung einer himmlischen Bildwelt mit dem aus Christus wachsenden Lebensbaum gehörte für einzelne der noch Anwesenden in ihrer Schlichtheit zu den künstlerischen Highlights der ganzen Woche.
 

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Die Studienreise endete am Samstag-Morgen mit der Rückkehr um 08.32 Uhr auf dem Bahnhof Basel. Zurück bleibt die Erinnerung an viele Eindrücke aus unserem vorgegebenen Programm, aber bestimmt auch an unzählige unerwähnte Szenen und Erlebnisse, die die Schülerinnen und Schüler ohne Lehrer-Begleitung gemacht haben. Alles zusammen ergab eine unvergesslich schöne Zeit, die so oder so den Latein-Unterricht im Schulzimmer beeinflussen wird.

Andreas Külling, Reiseleitung
 

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