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Studienreise Griechenland 2018

Platons leeres Grab? Pankration? Kurvatur? Souvlaki? Geisterstadt?

Alles Begriffe und Themata, die auf der Studienreise des SPF Griechisch – natürlich nach Griechenland – geklärt und eingeordnet worden sind. Und die dann plötzlich so verständlich und alltäglich erscheinen

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Freitag, 21. September 2018

So früh wie heute stehen wir in den folgenden Tagen nicht mehr auf: Noch vor Tagesanbruch, um Viertel vor sechs, treffen wir uns am Bahnhof SBB und landen zur Mittagszeit in Athen, bei prächtigem Sonnenschein und warmen Temperaturen. Einen ersten Eindruck von der Landschaft erhalten wir auf der Busfahrt mit Kaffeepause Richtung Delphi. Wenn auch unser erster kulturhistorische Halt, beim Kloster Hosios Lukas, nicht einer antiken Stätte gilt, so fühlt man sich trotzdem schon mitten in der antiken Kultur: Von den Musenhügeln Helikon und Parnass (oder französisch: Montparnasse) umgeben, ganz in der Nähe der sagenumwobenen Wegkreuzung, wo Ödipus seinen Vater erschlagen haben soll, steht in sanften Waldhügeln eingebettet das Kloster des Eremiten Lukas, der sich, im 10. Jahrhundert von den Arabern von der Insel Ägina vertrieben, durch die Atmosphäre des Ortes angezogen gefühlt haben muss. Da hat er auch gleich den Grundstein einer Kirche gelegt, die mit ihren Mosaiken und ihrem Grundriss die byzantinische Kultur geprägt hat. Abends treffen wir kurz vor dem Eindunkeln in Delphi ein.

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Samstag, 22. September 2018

Am Morgen noch vor dem riesigen Touristen-Andrang, führt uns Katinka zu den wichtigsten Bauten im wildromantischen Gebirgsabhang des Parnass und führt aus, was die Griechen der Antike wohl erlebten, wenn sie diesen Ort regelmässig besuchten. Auf die einen machten wohl die – allermeist – zweideutigen Orakelsprüche Apollons bzw. seiner Priesterin Pythia Eindruck, auf andere die Architektur des Tholos-Tempels der Athenaia Pronaia. Wiederum andere genossen wohl den Event-Charakter der delphischen Spiele oder sie erheiterten sich physisch und psychisch bei den rituellen Waschungen mit dem Wasser der Kastilischen Quelle.

Die Reise führt weiter entlang der Küste Mittelgriechenlands und über die gigantische Hängebrücke auf die Halbinsel Peloponnes ins weltberühmte Olympia. Da fahren wir zum Hotel und tun zuerst, was die Griechen der Antike in Olympia wie wir an diesem Tag nicht als Sportart taten: Wir baden.

Sonntag, 23. September 2018

Dank der von Berivan geführten Tour durch das antike Olympia bekommen wir einen lebhaften Eindruck von der archäologischen Stätte. Nur schon der archaische Hera-Tempel, seiner frühen Entstehungszeit geschuldet etwas gedrungen, der zentrale Zeus-Tempel mit der zum Weltwunder auserkorenen Zeus-Statue des Phidias und das 192.27 Meter lange Stadion geben eine Vorstellung von der ehemaligen Grandiosität und ihrer religiösen, sportlichen und eben auch politischen Bedeutung. Andere dazugehörige Bauten wie die Werkstatt des Phidias, die Palaestra, das Gymnasion oder die Tholos von Philipp II. vervollständigen die Vorstellung. Dass auch heute alle vier Jahre die olympische Flamme auf den Überresten des Hera-Tempels entzündet wird, können alle selber im youtube-Video nachschauen und merken dabei, welche Ausstrahlung der Ort, an dem wir uns gerade aufhalten, nach wie vor besitzt. Nicht zu kurz kommen die Ausführungen über den Ablauf der fünftägigen Olympischen Spiele, über die verschiedenen Sportarten (Pankration!) oder die pan-hellenischen (also gesamt-griechischen) Reglemente und ihre friedvollen (!?!) Auswirkungen. Schlusspunkt des (offiziellen…) Tagesprogramms bildet der Besuch des Nestor-Palastes: Genial die Anlage, welche die archäologischen Behörden Griechenlands – oder war es die EU? – für die Besucher des Palastes mit der berühmten Badewanne gestaltet haben.

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Montag, 24. September 2018

Die Fahrt nach Pylos, einem Städtchen mit gut 5’000 Einwohnern und einer bewegten Geschichte (Schlacht von Navarino!), brachten wir am Vortag hinter uns und besuchen heute das antike Messene, die ehemalige Hauptstadt der Landschaft Messenien. Durch die weiten Olivenhaine der Ortschaft Kalamata (die allen Oliven-Öl-Liebhabern hoffentlich bekannt ist) geht die Strasse weit hinauf zum Ort Mavromati beim Berg Ithomi, wo das antike Städtchen einst lag. Herr Külling erzählt, wie die Messenier jahrhundertelang unter der spartanischen Ausbeutung gelitten hatten, bis nach den ersten Siegen des Thebaners Epaminondas die Vorherrschaft Spartas auf der Peloponnes gebrochen werden konnte und die Einwohner Messenes die Kraft hatten, um 369 v. Chr. eine eigene Stadt zu gründen. Diese muss nach dem Anblick der Anlage grossartig gewesen sein: eine Agora, verschiedene Heiligtümer, eine Akropolis, ein Theater, ein Stadion, ein Asklepieion (ein Sanatorium/eine Badeanlage nach den Regeln des Heilgottes Asklepios), ein Wohnbezirk mit vornehmen Peristylhäusern – und alles umgeben von einer neun Kilometer langen Mauer, die sich schleichend durch die angrenzenden Wälder zieht. Man denkt an die berühmte chinesische Mauer.

Die Rückfahrt nach Pylos in der grossen Hitze lässt einen schnell ermüden, so dass nach dem anstrengenden Wochenende die lange Nachmittagspause mit Baden und Ausruhen nur willkommen ist.

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Dienstag, 25. September 2018

Wie vielfältig die Landschaft auf der Halbinsel Peloponnes ist, zeigt sich heute: Die rund zweistündige Fahrt durchs Taygetos-Gebirge, mit Bergspitzen bis 2‘400 Metern (gegenüber dem auf drei Metern gelegenen Pylos!), bietet an und unter und in Felsabhängen enge und kurvenreiche Strassen. Unser nächstes Ziel ist Mystras, die zur Geisterstadt verkommene Ruinenstadt, die von dem Franken Guillaume II. de Villehardouin gegründet und wenig später von Byzantinern übernommen worden ist. Diese verwalteten Mystras von Konstantinopel aus, als Repräsentations- und Wohnhaus diente der jetzt in Renovation befindliche Despotenpalast. Kriege mit den Venezianern und byzantinischen Dynastien waren an der Tagesordnung. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich Mystras zu einem geistigen Zentrum, Platon und Aristoteles wurden gelesen und diskutiert. Plethon, der sich diesen Namen in Anlehnung an Platon gab, wurde zu einem Wegbereiter des Humanismus – wenig erstaunlich, dass er auch mit dem «Basler» Erasmus von Rotterdam verkehrte.

Nach langer Fahrt kommen wir schliesslich in Nafplion an, wiederum einem Städtchen am Meer, mit knapp 15’000 Einwohnern; im Vergleich zu Pylos etwas grösser und etwas bedeutender für den modernen griechischen Staat. Aber auf uns warten Mykene, Tiryns und Epidauros. Höhepunkte einer Reise in die griechische Antike.

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Mittwoch, 26. September 2018

Gut beraten ist, wer frühzeitig in Epidauros die archäologischen Stätten betritt. Viele Touristen möchten das grossartige Theater sehen, und wir treffen folglich nur auf wenige. Prächtig, grossartig, das mit seinen bis zu 15'000 Sitzplätzen gut erhaltene (und teilweise renovierte) Theater. Hier lässt sich die Architektur einer griechischen Theateranlage bestens erklären. Scheinbar widersprüchlich aber, dass die Leute der Antike nicht wegen des Theaters nach Epidauros gingen, sondern dass dieses – zusammen mit einem Stadion oder einem Gymnasion – als Unterhaltungsanlage für die zahlreichen Kurgäste im wichtigsten Asklepieion der damaligen griechischen Welt diente. Das Asklepieion ist denn auch einen ausgedehnten Besuch wert; die Bauten lassen eine Wellness-Anlage erkennen, die allesamt auf spirituelle, meditative und hypnotische Heilungsprozesse durch den Gott der Heilkunst hindeuten.

Zeitlich vielleicht etwa 900 Jahre früher standen die Burgen von Mykene und Tiryns in voller Blüte: Der sagenhafte Agamemnon soll hier Herrscher gewesen und durch den Freund seiner Frau Klytaimestra, Aigisthos, nach der Rückkehr aus Troia im Badezimmer mit einem Opferbeil erschlagen worden sein. Die Burg-Anlage besticht durch ihre Zyklopen-Mauern, das Löwentor und die im obersten Teil versteckte Zisterne. Leider lässt das Personal nicht zu, dass man Erklärungen abgibt, so dass archäologische Hinweise («Wer war eigentlich Heinrich Schliemann?») dann im Schulzimmer abgegeben werden müssen. Mit scheinbar noch grösseren Mauersteinen ist die Anlage von Tiryns errichtet worden. Allein die Bodenplatte des Badezimmers soll 20 Tonnen wiegen. Genial ist ihre minim abfallende Oberfläche, bei der das Wasser in eine Ecke fliesst. Das prüfen wir genau. Wie haben die das nur alles so perfekt hinbekommen?

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Donnerstag, 27. September 2018

Unsere letzte Fahrt mit dem Bus führt Richtung Norden nach Korinth, wo George eine übersichtliche Führung über das archäologische Gelände gibt. Er erläutert dabei auch die verschiedenen zeitlichen Bauphasen. Am längsten bleiben wir aber vor den sieben übrig gebliebenen dorischen Säulen des Apollon-Tempels stehen. Ihre Wirkung ist faszinierend, sie stehen in der Landschaft und im Gelände, als ob sie natürlicherweise da hineingehörten. Wohl haben die Korinther darin, wie meist, aber hier deutlich, nicht nur eine Frömmigkeitsdemonstration gesehen, sondern auch ihre bedeutende Macht am Eingang zur Peloponnes hervorheben wollen. Die kurze Wanderung zum Aphrodite-Tempel auf Akro-Korinth machen nicht mehr alle mit. Das Wetter beginnt garstig zu werden. Aeolus lässt uns seine Kraft sehr deutlich spüren. Die Aussicht von der Bergspitze über den Korinthischen und Saronischen Golf ist umwerfend – und bei den starken, unkontrollierten Windstössen ist es doppelt schwierig, sich auf den Beinen zu halten.

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Freitag, 28. September 2018

«Zeus hyei» heisst es so schön, «Zeus lässt regnen» – und wir sind gezwungen, die regenfreien Zeitfenster zu finden. Was aber nicht immer gelingt. Wir unternehmen unseren Ausflug zur Insel Ägina, wo die Anfahrt für Schiffe wegen der verborgenen Felsen und hervorragenden Klippen schon in der Antike Mühe machte. War es aus Furcht vor Seeräubern, dass Aiakos, der Sohn des Zeus und der Aigina, der Tochter des Flussgottes Asopos, die Topographie so gestaltete? Wir, keine Seeräuber, konnten problemlos anlegen und gelangten ebenso problemlos zum Aphaia-Tempel, welcher wohl von den Griechen nach dem Sieg über die Perser in der Schlacht bei der nahen Insel Salamis (bei der die Aigineten in letzter Stunde die Seite weg von den Persern zu den Griechen wechselten – unglaublich und zugleich verrückt, was die sich erlaubten!?!) gestiftet und erbaut worden ist. Zurück im Hafenstädtchen Ägina essen wir in einem schmucken Estiatorio frischen, hervorragend zubereiteten  Fisch und lassen so das unfreundliche Wetter vergessen. Der Regen hatte aufgehört.

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Samstag, 29. September 2018

Das Hotel, in dem wir während unseres Aufenthaltes in Athen nächtigen, befindet sich neben dem Kerameikos-Gelände. Hier produzierte man attische Keramik, später diente das Gelände als Friedhof. Personen, die etwas auf sich hielten, sollen hier später irgendwann ihre letzte Ruhstätte gefunden haben: Dexileos, Demetria, Pamphile, Lysimachides und eben der berühmte Platon. Wohin seine Seele wohl gewandert ist?

Auf der Akropolis mit den Propyläen, der Pinakothek, dem reizvollen Erechtheion, dem grandiosen und zugleich bis ins kleinste Detail durchdacht erbauten Parthenon-Tempel waren die Touristen heute Samstag so zahlreich erschienen, dass an ein gerangelfreies Durchkommen nicht zu denken war. Der freie Eintritt begünstigte diese Situation natürlich.

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Katinka stellt dennoch vollständig und historisch unterlegt die Gebäude vor. Was war das nur für eine überragende Kenntnis architektonischer Tricks (u.a. Kurvatur oder Eckkonflikt), die die Athener da angewendet hatten und für einen harmonischen Anblick besorgt waren? Wie konnte das nur in so überragender Weise gelingen?

Leider muss der Besuch und das Referat von Philolaos über die Agora wegen des Regens – «Zeus hyei» – ausfallen. Es wird in der Schulstube nachgeholt werden. Aus demselben Grund wird auch die Behandlung des bedeutsamen Dionysos-Theaters am Südabhang der Akropolis einen Platz in einer Griechisch-Lektion erhalten.

Für zwei, drei Stunden machen wir notgedrungen Pause und begeben uns erst gegen Abend in das Archäologische Nationalmuseum. Der Gott aus dem Meer, die Maske des Agamemnon, einige Kouroi, Sphingen, der Denker aus Karditsa, und etliche Grabstelen wollen auch besichtigt sein.

In einem Restaurant mit einem emsigen Kellner mit überlauter Stimme essen wir ein letztes Mal Souvlaki, Choriatiki, Moussaka und trinken Mythos – oder halt Fix.

Sonntag, 30. September 2018

Unser Rückreise-Tag bricht an und das neue Akropolis-Museum darf nicht unbesucht bleiben. Wir machen uns auf einen gemütlichen Spaziergang rund um den Burghügel und verweilen für zwei Stunden zwischen den unzähligen Objekten, den Karyatiden, Metopen, dem Cella-Fries. Wer sich vorzustellen versucht, dass alle diese bildende Kunst an ihrem für sie vorgesehenen Platz auf dem Akropolis-Hügel und bei ihren Bauten gestanden haben, scheitert. Da haben die Athener etwas geleistet, was nur die Griechen selber, zu ihrer eigenen Zeit, gesehen haben. Und nicht etwa in der Phantasie.

Mit dem Abendflug kehren wir nach Zürich und von dort nach Basel zurück. Da sind wir nun wieder. Dank der Erinnerung an viele Momente in den letzten Tagen aber bleibt Griechenland und seine vergangene Kultur fassbarer und lebendig.

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