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Ergänzungsfach Geschichte

Impressionen der Geschichtsexkursion des EF Geschichte 2009

Impressionen der Geschichtsexkursion des EF Geschichte 2009
 
 
 
 
 
 

Oral History Referat zur Tibetfrage im Ergänzungsfach Geschichte

 

Der Kurs Ergänzungsfach Geschichte arbeitet zurzeit an einem Längsschnitt zur Geschichte Chinas von den Opiumkriegen bis zur Gegenwart. Die Tibeterin Tenzin Tsamdah hat ihre Matur am GM im Jahr 2009 absolviert und hat sich bereit erklärt, im EF Kurs über ihre Maturarbeit zu referieren. Ihr Vater hat den zweiten Teil dieses Nachmittags bestritten und über seine persönliche Geschichte und Flucht aus Tibet berichtet.

Tenzin Tsamdah erläuterte in Ihrem Referat die Erkenntnisse Ihrer Maturarbeit, in welcher sie das offizielle Geschichtsbild der VR China mit der tibetischen Geschichtsschreibung verglich. Dabei ist sie auf sieben grobe Unterschiede gestossen. Das Geschichtsbild der VR China legitimiert die Besatzung Tibets mit Verweis auf historische Ereignisse: Die Grundaussage der Auslegung dieser historischen Ereignisse ist, dass Tibet schon immer ein integraler Bestandteil des Chinesischen Reiches gewesen sei. Diese Aussagen konnte Tenzin mit historischen Quellen stringent widerlegen. Hingegen kritisierte Sie das Versäumnis Tibets, die Unabhängigkeitserklärung von 1913 international absichern zu lassen, so dass heute keine juristisch stichhaltigen Verträge für die Einforderung der Unabhängigkeit Tibets eingefordert werden können.

Herr Tsamdah floh mit seinen Eltern und seinen 4 Brüdern 1959 aus Tibet. Die Familie floh, um die Entsendung der Söhne zur Erziehung in chinesischen Schulen zu verhindern. Von einem Tag auf den anderen musste die Familie alles zurücklassen – auch zwei bereits verheiratete Töchter. Die Flucht führte über den Himalaja, vorbei am heutigen Base Camp des Mount Everest. Herr Tsamdah hat diese Flucht als dreijähriger erlebt. In Nepal angekommen, verstarb sein Vater. Die Mutter musste fortan die Familie durchbringen. Herr Tsamdah schloss seine Studien als Raumplaner ab und arbeitete für die tibetische Exilregierung; er besuchte die tibetischen Siedlungen auf der ganzen Welt und war in der räumlichen Planung tätig. 1985 kam er in die Schweiz und heiratete. Er lebt mit seiner Familie in Basel, seine zweite Tochter besucht zurzeit das GM. In seinem Beruf bei einer internationalen Firma hat er viel Kontakt mit Chinesen, gegen welche er keinen Zorn hegt.

Das Gastreferat von Tenzin hat den Kursteilnehmern des EF Geschichte die Thematik Tibets näher gebracht und die Bedeutung und Relativität der Geschichtsschreibung vor Augen geführt. Herr Tsamdahs autobiographische Ausführungen haben das Schicksal der Tibeter greifbar werden lassen.

 

 
 
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